Erziehung
Nachdem Hirtenhunde Gewohnheitstiere sind, heisst das Zauberwort bei der Erziehung Gewöhnung. Der Besuch einer Welpenschule ist sicherlich empfehlenswert. So lernt der kleine Rabauke mit Kraft und Größe vorsichtig umzugehen, sind doch 99,9% seiner Spielgefährten um etliches kleiner als unser Jungriese. Nur, ob er überhaupt mitspielen will, ist eine andere Geschichte. Meine beiden Hundedamen haben dort in erster Linie ausgiebigst das Gelände erkundet und das Treiben der anderen wohlwollend verfolgt.
Im "Fortgeschrittenen-Kurs" sind sie mehr oder weniger lustlos, je nach Güte der Leckerlis, recht brav neben mir auf- und abmarschiert und haben diesen mit den Prüfungen BGH A und BGH 1 mit "Gutem Erfolg" absolviert.
Aber die Welt ist nicht nur Hundeplatz und an alles müssen wir unser Hundekind von Anfang an mit Konsequenz und Geduld gewöhnen. Der Welpe muss sein Rudel und sein Revier kennen und akzeptieren lernen
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Er muss lernen nachts durchzuschlafen, Essenszeiten einzuhalten und die richtigen Löseplätze zu finden. Für jeden Lernprozess benötigt unser sanfter Riese wahrscheinlich etwas mehr Zeit als andere Hunderassen, aber dafür sitzt es dann auch. Innerhalb von 5-6 Monaten entwickelt sich unser entzückendes Wollknäuel zu einem großen wehrhaften Hund. Er muss daher vom ersten Tage an die Tabus kennenlernen; was ich vom erwachsenen Hund nicht haben möchte, darf er auch als Welpe nicht. Nach zwei, drei Wochen weiß unser Kleiner, was "Nein" bedeutet. Dem fröhlichen "Ja aber" unseres Halbstarken setzen wir Geduld und Konsequenz entgegen. Bei Gegenworten oder Aufmüpfigkeiten kommt schon mal das Packen am Nackenfell zur Anwendung - Mama würd´s ja auch so machen.
Die wichtigste Zeit für die Wesensentwicklung ist die Zeit beim Züchter, dann die nächsten 8 Wochen im neuen Zuhause. Wir gewöhnen ihn an Straßenlärm, Jogger, Radfahrer, Einkaufszentren usw.. Zwischen 8 und 12 Monaten steht die Welt dann plötzlich Kopf. Unsere sanften Riesen zeigen Dominanz, Verteidigungsbereitschaft und spätestens jetzt kann man´s hören: das tiefe, ganz aus dem Innersten kommende Hirtenhund-Brummen. Unerwünschtes Verhalten ist nun sofort zu korrigieren; Gewalt beeindruckt einen Mioritic dabei überhaupt nicht. Mit verständlicher Körpersprache, Zuwendung, Geduld, Respekt lässt sich ein großer, stolzer Rumäne leicht führen.
Der ausgewachsene Hirtenhund mag keine Fremden in seinem Revier und ist auch kein Partylöwe. Freunde können jederzeit gefahrlos Haus und Hof betreten; bei fremdem Besuch gibt´s ein oftmals geübtes Begrüßungsritual.
Auch der Umgang Kind und Hund muss gelernt werden. Hier muss vor allem dem Kind klar gemacht werden, den Hund nicht zu dominieren. Ich muss den Hund (nicht das Kind ) vor Übergriffen schützen. Hirtenhunde sind die zärtlichsten und geduldigsten Kinderhunde, sie sind die weichsten Kuscheldecken, nur Spielhunde sind sie nicht.
Im Umgang mit anderen Hunden ist der Mioriric ein humorloser, kompromissloser Zeitgenosse, der seine Autorität stets beweisen muss und nicht in Frage gestellt sehen will. Er braucht Zeit, um sein Gegenüber kennen zu lernen, am besten auf neutralem Boden, weit weg von zuhause. Hier wartet also jede Menge Erziehungsarbeit auf uns Hundeführer.